Women on View
Aesthetics of Desire in Advertising
2. Februar - 27. April 2019 // Verlängert bis zum 18. Mai!

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Die Abbildung des unbekleideten, idealen Menschen unterliegt in der westlichen Kunst einer langen Tradition. Doch erst die Moderne löste Nacktheit aus ihrem religiösen oder allegorischen Kontext heraus und zeigte sie offen und natürlich, auch in Verbindung mit Eros. Heute gehören nackte Körper, vor allem von Frauen, zur medialen Dauerware, sind aus der Werbebranche nicht wegzudenken.

Von Anfang an inszenierte die Werbeindustrie den weiblichen Körper zur besseren Vermarktung von Produkten, während sie männliche Nacktheit noch bis ins späte 20. Jahrhundert kaum beachtet ließ. Modelle verkörpern demnach das Idealbild westlicher, weiblicher Schönheit. Und doch widersetzten sie sich über Jahrzehnte hinweg einem einheitlichen Kanon, was auf die charakteristische Entwicklung der Präsentation von Frauenfiguren zurückzuführen ist. Besonders in Bildern der Mode- und Werbefotografie kann ein Paradigmenwechsel vom Verkauf von Produkten bis hin zum Verkauf bestimmter Lifestyles konstatiert werden. 

Die Gruppenausstellung „Women on View“ thematisiert die Erotisierung des weiblichen Körpers in der Werbefotografie – angefangen bei der frühen Produktreklame der 1940er Jahre, über die Ära der Emanzipation in den 70er und die Ära der Hyper-Erotisierung der Frau in den 1990er Jahren hin zu zeitgenössischen Positionen in der Werbefotografie. Präsentiert werden legendäre Plakate und Fotografien von namhaften Künstlern wie Erwin Blumenfeld, Horst P. Horst, Lillian Bassman, Irving Penn, Helmut Newton, Guy Bourdin, Frank Horvat, Jeanloup Sieff, Hans Feurer, Albert Watson, Herb Ritts, Peter Lindbergh und Ellen von Unwerth. Einerseits zeigt die Ausstellung verschiedene Darstellungsweisen der Frau in der Werbung auf. Andererseits hinterfragt sie die wechselseitigen Einflüsse der modischen und kommerziellen Fotografie bei der Schaffung ästhetischer Standards.

Darüber hinaus verweist die Ausstellung auf den soziokulturellen Einfluss von Werbung. Diese ist ein Spiegelbild gesellschaftlicher Einstellungen und beeinflusst als Ab- und Vorbild gängige Rollenbilder und Vorstellungen von Schönheit. In unserer gegenwärtig mediendominierten Welt wird die Verbreitung von genormten Attraktivitätsvorstellungen  und  Schönheitsidealen  zunehmend begünstigt. So führte die Nutzung einer Bildsprache, in der weibliche Modelle signifikant aufreizend und provokativ gezeigt wurden, in der Vergangenheit zu einer zunehmenden Sexualisierung in der Öffentlichkeit. Ist die Darstellung von Frauen heute immer noch ein Zeugnis der Begierde in unserem gesellschaftlichen Streben nach den Idealen menschlicher Vollkommenheit? Oder ist diese Form des Begehrens bereits im Wandel begriffen?

Anlässlich der Ausstellung erscheint eine umfangreiche Publikation (dt.-engl.) mit einem Vorwort des Kurators der Helmut Newton Stiftung Matthias Harder, Texten der Soziologin Esther Loubradou sowie zahlreichen Abbildungen von historischen Werbefotografien.

Ausgestellte Künstler:

Lillian Bassman, Erwin Blumenfeld, Guy Bourdin, Michel Comte, Renaud De Gambs, Patrick Demarchelier, Hans Feurer, Francis Giacobetti, Christophe Gilbert, Sarah Hardacre, Horst P. Horst, Frank Horvat, Paul Huf, Raymond Jacobs, Julia Kennedy, Jean Larivière, Peter Lindbergh, Jean-Daniel Lorieux, Bernard Matussière, Rasmus Mogensen, Armin Morbach, Gérard Musy, Helmut Newton, Uwe Ommer, Thomas Paquet, Marino Parisotto, Norman Parkinson, Irving Penn, Michel Perez, Hervé Plumet, Oliver Rath, John Rawlings, Regina Relang, Eli Rezkallah, Herb Ritts, Franco Rubartelli, Mark Shaw, Jeanloup Sieff, Melvin Sokolsky, Tono Stano, Bert Stern, Karin Székessy, Ellen von Unwerth and Albert Watson.

Mit Leihgaben von:

Camera Work, Berlin, Collection 36, Michel Comte Estate, Zurich, Louise Alexander Gallery, Porto Cervo, in camera galerie, Paris, Paul Stolper Gallery, London, Bert Stern Trust, New York, Sammlung Wemhöner, Berlin, Estate Jeanloup Sieff, Paris, Ira Stehmann Fine Art, München, Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn – August Sander ArchivStiftung F.C Gundlach, Hamburg,  Maria Austria Institute, Amsterdam, Plastik Studios, Beirut, Studio Ellen von Unwerth and Vandartists, Paris.

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1. Michel Pérez, Study for Aubade, 2007
courtesy the artist & Chaussee 36
copyright the artist

2. Frank Horvat, Model with Mask, Paris, 1958
courtesy in camera Galerie
copyright the artist

Pressemitteilung Women on View - Aesthetics of Desire in Advertising 2019